.
Runder Tisch mit Zeitzeugen im Gemeinschaftszentrum Maria Heim
Am 7. Mai 2026 trafen im Rahmen der Ausstellung West-Side-History, kuratiert von Anna Bernardo (Stiftung Bozner Schlösser), im Gemeinschaftszentrum Maria Heim Zeitzeug:innen aus zwei unterschiedlichen Lebenswelten aufeinander: landwirtschaftliche Familien, die auf ihren Höfen lebten, sowie städtische Arbeiterfamilien in den neu entstandenen Mehrfamilienhäusern. Beide Perspektiven standen im Raum; unterschiedlich, aber gleichermaßen berechtigt. Erzählt wurden mitreißende Geschichten über ein Nebeneinander, manchmal auch ein Miteinander der deutsch- und italienischsprachigen Bevölkerung eines Gebietes, das einst zum Kataster Gries gehörte und später zu einem der am dichtesten besiedelten Stadtteile Bozens wurde: das Viertel Europa-Mariaheim, auch Neugries genannt.
Markus Mattivi, Obmann der Genossenschaft Mariaheim, stellte die sechs Zeitzeug:innen im Alter zwischen 80 und 102 Jahren vor, die eindrucksvoll die Entwicklung des Viertels von ihrer Kindheit vor der Errichtung des Rione Littorio bis hin zum Bau der ersten Wohnblöcke entlang der oberen Europaallee schilderten. Die Gespräche sowie die Moderation von Tanja Cassitti (Stiftung Bozner Schlösser) fanden sowohl in deutscher als auch in italienischer Sprache statt und brachten persönliche Erinnerungen, emotionale Erfahrungen, aber auch gegenseitige Missverständnisse und gesellschaftliche Spannungen ans Licht.
Mehr als 80 Besucher:innen nahmen aktiv an dem Abend teil, der von großer Emotionalität, spontanen Erzählungen und intensivem Austausch geprägt war. Besonders eindrucksvoll waren die Erinnerungen von Christiane und Kurt Lintner vom Schickmoarhof sowie von Cornelia und Josef Andergassen, dessen Haus für den Bau der Palermostraße nach einem langjährigen Rechtsstreit mit der Gemeinde im Jahr 1984 enteignet und mit nur drei Tagen Vorwarnung niedergerissen wurde. Ebenso bewegend war der Beitrag von Karl Dibiasi, dessen Schwarzerhof bis heute verborgen zwischen Wohnhäusern in der Drusus- und Palermostraße erhalten geblieben ist. Er erinnerte an den gemeinsamen Einsatz der Bauern gegen die Emissionen der neu entstandenen Industriezone, welche nicht nur den Weinbau massiv beeinträchtigten, sondern auch die Gesundheit der Bewohner und letztlich dazu führten, dass die großen Konzerne Filtersysteme in den Fabriken installieren musste.
Großen Eindruck hinterließ auch die Erzählung von Alfio Di Vincenzo, der in den 1950er Jahren nach Bozen kam und berichtete, dass die ersten Häuser entlang der Europaallee noch bis in die 1970er Jahre weder über einen Gasanschluss noch über ein funktionierendes Abwassersystem verfügten. Auch die Erinnerungen von Arrigo Lutterotti an seine Kindheit in der Turinstraße zeichneten ein vielschichtiges Bild jener Zeit zwischen unbeschwerten Momenten und den Entbehrungen der Nachkriegsjahre.
Besonders eindringlich waren die Schilderungen der Kriegsjahre und der gemeinsame Appell der Zeitzeug:innen, den Frieden zu bewahren. Dieser Aufruf wurde vom Publikum mit langanhaltendem Applaus aufgenommen.
Die Veranstaltung entwickelte sich zu einem bedeutenden Moment gelebter Oral History und bot Anlass zur Reflexion über die kulturellen und sozialen Entwicklungen eines Stadtviertels, das lange Zeit als Randgebiet wahrgenommen wurde und heute einen wesentlichen Teil der Geschichte Südtirols darstellt. (TC)
.
.
Die Ausstellung WEST SIDE HISTORY bleibt für alle Interessierten im Gemeinschaftszentrum Maria Heim in Bozen, Neustifterweg 5 noch bis zum 31. Mai 2026 geöffnet und zwar, jeweils am Donnerstag und Freitag von 16.00 bis 19.00 Uhr und am Samstag und Sonntag von 9.00 bis 12.00 Uhr.
.
Sternsinger und Haussegnung am Dreikönigstag
Am Dreikönigstag brachten die Sternsinger auch in unserer Krypta die Segenswünsche und baten im Namen der Hl. Drei Könige um eine Spende für einen guten Zweck. In diesem Jahr wird der Bau von zwei neuen Schlafsälen an der St. Joseph’s Mparo Secondary School in Südwest-Uganda unterstützt. Viele Schülerinnen und Schüler stammen aus armen Familien und wohnen weit entfernt, weshalb eine Unterbringung in der Schule oft notwendig ist. Die neuen Schlafsäle sollen Lern- und Lebensbedingungen der Schülerinnen und Schüler verbessern.
Am Nachmittag zog Diakon Kristian Paulmichl mit Mitgliedern und Freunden der Genossenschaft Maria Heim sowie mit weiteren Angehörigen der Pfarrgemeinde durchs Gemeinschaftszentrum, um den Segen für das ganze Haus zu erbitten. Der Obmann von Maria Heim, Markus Mattivi, und P. Siby George begleiteten die Gruppe von den drei Kapellen ausgehend über den Kassettensaal bis in alle Vereinslokale, Seminar- und Gemeinschaftsräume. Mit geweihter Kreide schrieben sie den Segensspruch 20 C+M+B 26 „Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus“ auf jeden Türstock. Die Veranstaltung endete mit einem gemeinsamen Beisammensein bei einem ein Glas Lagrein und einem Teller Gerstsuppe, bereitgestellt von einem befreundeten Gastwirt und Gönner von Maria Heim. (WK)
.
.
PATROZINIUMSFEST (KIRCHTAG) 2025
Mariä Heim: Traditionelles Patrozinium im Gemeinschaftszentrum begangen
Bozen (pka). Der Kirchtag in Mariä Heim ist ein liebgewordener Brauch, der von den Priestern und den Anrainern des betreffenden Stadtviertels seit vielen Jahrzehnten im Gemeinschaftszentrum Maria Heim am 2. Juli feierlich begangen wird.
So wurde auch am vergangenen Mittwochabend diese langjährige Tradition fortgesetzt und zum Patrozinium in den Innenhof des prächtigen Anwesens Maria Heim geladen, wo der frühere Pfarrer und nunmehrige Seelsorger Walter Außerhofer mit Ortspfarrer Paolo Crescini, Don Giovanni Ronzoni, P. George Siby und Diakon Kristian Paulmichl die heilige Messe feierten und dabei vom Ministranten Dr. Francesco Avanzini, HNO-Arzt am Bozner Krankenhaus, unterstützt wurden.
„Maria war nicht alleine unterwegs, sie wollte aber ihrer Base Elisabeth ihre Freude über ihre Schwangerschaft kundtun“, sagte einleitend Walter Außerhofer. Die im Innenhof des Gemeinschaftszentrums zelebrierte Feldmesse wurde vom Singkreis Maria Heim unter der Leitung von Cristina Decarli musikalisch mitgestaltet, die zahlreichen Besucher fanden auf den bereitgestellten Bänken Platz.
Diakon Kristian Paulmichl erinnerte in seiner Predigt an das Evangelium nach Lukas, und meinte, auf die heutige Zeit übertragen, dass es bis zu den 1950er Jahren „skandalös“ gewesen sei, wenn jemand ein uneheliches Kind auf die Welt brachte „Maria aber steht zu ihrer Entscheidung. Sie war sich nicht im Klaren, wie wohl Elisabeth auf ihren Besuch reagieren würde, aber sie wurde von ihrer Base herzlich mit dem Segenswunsch aufgenommen.“ Paulmichl sagt weiter: „Beide Frauen zeigten hier großen Mut – und sie vertrauten sich gegenseitig. Es ist ihr unerschütterlicher Glaube, der sie vereint.“
Wir sollten uns heute ein Beispiel nehmen und uns mit Maria solidarisch zeigen, Notleidende wie Hilfesuchende unterstützen, ihnen beistehen. „Was ich mir selbst wünsche, ist die Glaubensstärke von Maria und Elisabeth“, mit diesen Worten beendet der Diakon seine Predigt.
Nach den Fürbitten, vorgetragen von Karl Wolf, der Spende der heiligen Kommunion sowie dem Patroziniumssegen schließt der Singkreis Maria Heim mit dem Lied „Segne du Maria“ die kirchliche Feier.
Der Obmann des Gemeinschaftszentrums Maria Heim, Markus Mattivi, lud anschließend alle Festbesucher, unter anderem Gemeinderats-Vizepräsidenten Christoph Buratti, zu einem guten Glasl Wein und Kirchtagskrapfen ein.
(Karl Psenner – DOLOMITEN)
.
.
BUNTES FASCHINGSTREIBEN IN MARIA HEIM
Unter dem Motto „In der kunterbunten Faschingswelt“ hatte am gestrigen Unsinnigen die Jungschargruppe der Bozner Pfarrei Regina Pacis wieder nach Maria Heim eingeladen. Über 150 Kinder sind der Einladung von den Jungscharleiterinnen Franziska und Katharina Mattivi und ihrem Team gefolgt. Neben vielen Prinzessinnen, Piraten, Zauberern, Astronauten, Clowns und Supermännern hatten sich auch viele maskierte Eltern unter die bunte Kinderschar gemischt. Das lustige Treiben fand den ganzen Nachmittag inner- und außerhalb der historischen Mauern von Maria Heim statt und mit großer Spannung wurde auf den traditionellen „Zuckerle-Regen“ gewartet, welcher traditionsgemäß den Höhepunkt der Veranstaltung bildete. Die Freude und das Glück, einen Tag lang in die Klamotten ihres Lieblinshelden bzw. ihrer Lieblingsfigur schlüpfen zu dürfen war den vielen Kindern ins Gesicht geschrieben und nach einer Stärkung bei Saft und Faschingskrapfen gingen am späten Nachmittag alle zufrieden nach Hause.
(KW)
.
.
.
Die 7 Tage von Mariahaim – Vereinigte Bühnen Bozen
ein immersives Theater von/mit Nesterval
Bozen 1964: Bauerstochter Anna-Lisa befindet sich gerade mitten in den Vorbereitungen für ihre Hochzeit mit dem Knecht Giovanni, als sie von ihrer Vergangenheit eingeholt wird. Zwei ungebetene Gäste erscheinen im Ort und mit ihnen das Wissen um ein grauenvolles Verbrechen. Die Idylle zerfällt nach und nach, das generationenlange Schweigen bricht mit Gewalt und Hass über die Bewohner: innen herein. Und was mit einer Hochzeit enden sollte, beginnt mit einem Leichenschmaus. Die Besucher:innen sind dabei Hochzeitsgäste. Rückblickend erleben sie „Die 7 Tage von Mariahaim“, die alle und alles verändern.
Das immersive Theaterensemble Nesterval versteht sich als queeres Volkstheater. Im Zentrum jeder Inszenierung steht die Lust am Spiel, das Schaffen eines theatralen Erlebnisraums und das Einbezogensein des Publikums in die Performance. „Die 7 Tage von Mariahaim“ ist eine für die Vereinigten Bühnen Bozen und Transart Festival adaptierte Version des Stücks „Das Dorf“, das 2019 für den Nestroy-Preis nominiert wurde. Die Besucher:innen begeben sich auf die Suche nach der Magie des Sehnsuchtsorts Heimat und ergründen große Fragen nach Fremde, Gewalt, Liebe und Schuld. Geschlechterrollen und Rollenbilder werden durchmischt und der Heimatbegriff wird für eine pluralistische Gesellschaft geöffnet.
.
.



























